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Buchvorstellung / Inhaltsangabe / Rezension

 

Autor(in): Ann Benson
Titel: Die Schreckenskammer  
Originaltitel: Thief of Souls  
ISBN-10/ ASIN: 3442366232  
ISBN-13: 978-3442366231  
Seiten: 576  
Verlag: Blanvalet (Randomhouse)  
(Erst)Erscheinungsjahr: 2006  
Übersetzer: Berr, Klaus  
Kategorie: Mysterie  
Buchreihe: Einzeltitel  
Lesereihenfolge: 0  
Handlungsort: Amerika_Los_Angeles  
Handlungszeit: Gegenwart_Vergangenheit  

 

Erster Satz:


Die heimeligen kleinen Hütten, welche die Torwächter von Nantes
darstellten, entschwanden schnell, als ich in das Dickicht der Bäume
eintauchte — der schlimmste Teil der Reise nach Machecoul. Aus
dem Licht und hinein in die Dunkelheit. Man kann nicht anders, als
sich sehr klein zu fühlen inmitten dieser berindeten Riesen, deren
knotige, tief hängende Zweige jeden Augenblick wie die Finger des
Teufels nach mir greifen und mich in den dunklen Schlund eines
Astlochs stopfen konnten, wo ich dahinsiechen würde in der ewigen
Pein meiner Sünden.
So bete ich, wie ich es immer tue, denn sonst bleibt kaum etwas
zu tun. Lieber Gott, lass nicht zu, dass sie meine Daumen nehmen,
denn ohne Daumen kann ich die Nadel nicht fassen, und ein Leben
ohne Sticken ist unvorstellbar.
Bei jedem Schritt schiebe ich die Hände weiter in die Falten meiner
Ärmeltaschen; meine kostbaren Finger verschwinden völlig in
der Sicherheit ihrer Tiefen.
Sie finden den Brief. Die Fingerspitzen ertasten kleine, durchgescheuerte
Stellen an den Knicken im Pergament, obwohl er erst kürzliche
aus Avignon eintraf. Er kam zusammen mit andern wichtigen
Papieren, die von Seiner Heiligkeit an meinen maitre gesandt wurden,
jean de Malestroit, der als Bischof von Nantes eingeweiht ist
in so viele von Gottes tiefsten Geheimnissen. Obwohl ich seine
engste Vertraute bin, würde ich niemals auf den Gedanken kommen,
jene gewichtigen Angelegenheiten begreifen zu wollen, die zu
erwägen Seine Heiligkeit Seiner Eminenz aufgetragen hat, und in
Wahrheit will ich es auch gar nicht. Es drängt mich, alle weltlichen
Belange beiseite zu lassen zu Gunsten der köstlichen Gedanken
meines Erstgeborenen. 
 

Beschreibung/Inhaltsangabe:


Das Böse ist allgegenwärtig! Es mag immer wieder neue Gesichter tragen, aber seine Motive bleiben von der Zeit unberührt. Und so kann es geschehen, dass eine bretonische Äbtissin in der Mitte des 15. Jahrhunderts und eine Polizeibeamtin im Los Angeles unserer Tage genau das gleiche Grauen erblicken: in der Seele einer unmenschlichen Bestie, für die Schmerz und Tod die höchste Befriedigung bedeuten …  

Anmerkung/Meinung:



Dieser Einzelroman von Ann Benson konnte mit genauso fesseln, wie ihre bisher als Canches-Crowe-Reihe erschienen Bücher. Auch hier erzählt sie eine Story auf zwei Ebenen: Die eine spielt in Frankreich, Mitte des 15. Jahrhunderts und befasst sich mit den Gräueltaten von Gilles de Rais (Unzucht widernatürlicher Art mit Knaben und deren Tötung in weit über 100 Fällen) in einer Mischung aus Tatsachen und Fiktion. Im Gegenwartsteil wird im 21. Jahrhundert eine Polizistin in Los Angeles mit  ähnlichen Verbrechen, wie die des Gilles de Rais, konfrontiert. Hierbei geht es allerdings diesmal nur um parallelen in der Art der Verbrechen, und nicht um direkte Zusammenhänge, die sich durch den Lauf der Zeit zurückverfolgen lassen.

Die Übergänge der beiden Geschichten sind mitunter etwas hart, und man braucht schonmal zwei, drei Sätze um zu erkennen, dass man gerade die Zeit gewechselt hat. Nach ein paar Wechseln, hat man sich aber daran gewöhnt und erkennt die Abschnittswechsel. Direkte Kapitlelunterteilungen gibt es allerdings nicht. Es wird in der Regel nur ein separater Absatz zur Unterscheidung begonnen.

Beide Handlungsstränge sind spannend und grausam zugleich. Auf gar keinen Fall etwas für zarte Gemüter. An manchen Stellen war ich echt froh, dass es als gedrucktes Buch gelesen habe, in dem man Stellen querlesen kann, und kein Hörbuch, wo es schwierig ist "wegzuhören"...

Für mich aber auf jeden Fall mal wieder ein sehr spannendes und fesselndes Buch.
 

 

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